Wer zusammenwohnt, teilt laufende Kosten wie Miete, Strom und Lebensmittel. Fair ist eine Aufteilung, die beide nachvollziehen können und die zu ihrer finanziellen Situation passt. Eine Lösung für alle Paare gibt es nicht: Gleiche Beiträge sind einfach, gleichen aber unterschiedliche Einkommen und unbezahlte Arbeit nicht automatisch aus.
Legen Sie zuerst fest, welche Ausgaben gemeinsam sind. Vereinbaren Sie dann, wie Sie die Kosten aufteilen, gemeinsame Rechnungen bezahlen und die Regel überprüfen.
Gemeinsame Ausgaben festlegen
Bevor Sie rechnen, bestimmen Sie, was in den gemeinsamen Topf gehört. Dazu gehören oft:
- Miete, Energie und Internet
- Lebensmittel sowie Drogerie- und Haushaltsbedarf
- gemeinsame Anschaffungen und vereinbarte Rücklagen
Urlaub, Restaurantbesuche oder Hobbys sollten Sie ausdrücklich besprechen. Persönliche Kleidung, eigene Verträge und individuelle Schulden bleiben häufig persönliche Ausgaben, sofern Sie nichts anderes vereinbaren. So vermeiden Sie, dass eine Person eine Ausgabe als gemeinsame Kosten betrachtet, während die andere sie für privat hält.
Notieren Sie neben monatlichen Rechnungen auch unregelmäßige Kosten. Rechnen Sie eine jährliche Rechnung auf zwölf Monate um und legen Sie jeden Monat diesen Betrag zurück. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, regelmäßige Einnahmen und feste Ausgaben aufzuschreiben, variable Ausgaben nach Kategorien zu ordnen und den Haushaltsplan regelmäßig zu prüfen.
Drei Modelle zur Kostenaufteilung
Halbieren ist am einfachsten: Beide zahlen die Hälfte der vereinbarten Kosten. Das passt, wenn beide ähnlich viel verdienen und ähnlich viel Geld zur Verfügung haben. Bei deutlich unterschiedlichen Einkommen belastet derselbe Betrag die geringer verdienende Person stärker. Prüfen Sie deshalb auch, ob die gemeinsame Wohnungs- und Ausgabenhöhe für beide tragbar ist.
Nach Einkommen aufteilen verteilt die Kosten entsprechend den jeweiligen Einkommensanteilen. Legen Sie dabei fest, ob Sie das Nettoeinkommen oder eine andere Grundlage verwenden. Bei schwankendem Einkommen sollten Sie vereinbaren, welcher Zeitraum für die Rechnung zählt.
Addieren Sie die Nettoeinkommen. Dann zahlt jede Person den Anteil der gemeinsamen Kosten, der ihrem Anteil an dieser Summe entspricht.
Ähnlich viel Geld zur freien Verfügung lassen bedeutet: Sie legen die Beiträge so fest, dass beiden nach den gemeinsamen Kosten möglichst ähnlich viel Geld bleibt. Ob das mit den jeweiligen Einkommen und gemeinsamen Kosten aufgeht, hängt von der konkreten Situation ab; private Verpflichtungen, Rücklagen oder Vorsorge sollten Sie ebenfalls berücksichtigen. Vereinbaren Sie daher, welche dieser Posten in die gemeinsame Rechnung gehören.
Gemeinschaftskonto und Rechnungen regeln
Über ein Gemeinschaftskonto können Sie Miete, Energie und andere gemeinsame Rechnungen bezahlen. Sie können beide regelmäßig Geld darauf überweisen und persönliche Ausgaben weiterhin von Ihren eigenen Konten bezahlen. Das Konto regelt aber nicht, wie viel jede Person einzahlt. Dafür brauchen Sie zusätzlich eine der vereinbarten Aufteilungsregeln.
Getrennte Konten funktionieren ebenfalls: Sie teilen einzelne Rechnungen auf oder gleichen gemeinsame Ausgaben in festgelegten Abständen aus. Eine gemeinsame Tabelle oder ein Haushaltsbuch hilft dabei, Einzahlungen und Ausgaben sichtbar zu halten. Bei einem Gemeinschaftskonto sollten Sie außerdem die Vertragsbedingungen prüfen. Bei einer Überziehung können beide Kontoinhaber gemeinsam haften.
Unbezahlte Arbeit berücksichtigen
Ein Vergleich der Einkommen zeigt nicht, wer Kinder betreut, Angehörige pflegt oder mehr Hausarbeit übernimmt. Solche Aufgaben kosten Zeit und können die Möglichkeiten für bezahlte Arbeit einschränken. Besprechen Sie deshalb neben dem Geld auch, wer sich um Kinder und Angehörige kümmert und wer mehr Hausarbeit übernimmt. Prüfen Sie, ob die Kostenaufteilung dazu passt.
Das Statistische Bundesamt bezifferte den Gender Care Gap für 2022 auf 44,3 Prozent: Frauen ab 18 Jahren leisteten im Durchschnitt täglich eine Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Dieser Wert beschreibt einen Durchschnitt in der Bevölkerung, nicht die Verteilung in jedem einzelnen Paar. Er macht dennoch deutlich, warum Einkommen allein die gemeinsame Belastung nicht vollständig abbildet.
Konflikte bei gemeinsamen Kosten vermeiden
Ein häufiger Konflikt entsteht, wenn beide unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was als gemeinsame Ausgabe zählt. Legen Sie vor größeren Anschaffungen, Urlauben oder regelmäßigen Freizeitkosten fest, ob und in welcher Höhe beide zustimmen sollen. So vermeiden Sie, dass eine Person allein über eine Ausgabe entscheidet und anschließend erwartet, dass die andere die Hälfte zahlt.
Prüfen Sie, ob die einmal festgelegte Regel noch passt, wenn sich Einkommen oder Arbeitszeit ändern, ein Kind dazukommt oder neue gemeinsame Kosten entstehen. Halten Sie die aktuelle Vereinbarung schriftlich fest, zum Beispiel in einer gemeinsamen Tabelle. So sehen beide, welche Kosten eingerechnet sind, wie sich die Beiträge berechnen und wann Sie zuletzt nachjustiert haben.