Ordnung entsteht aus Gewohnheiten, die sich jeder aneignen kann. Laut einer Studie des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel wird die Einstellung zu Sauberkeit vor allem im Elternhaus geprägt. Wer dort keine festen Abläufe gelernt hat, muss sie sich als Erwachsener selbst aufbauen. Unordnung empfinden Menschen allerdings sehr unterschiedlich. Die einen sehen darin ein hygienisches Problem, andere nur kreatives Chaos.
Ein Haushalt bleibt mit überschaubarem täglichem Aufwand sauber, wenn die fünf Schritte vom Ausmisten bis zur Aufgabenverteilung ineinandergreifen. Neue Reinigungsmittel oder Spezialgeräte sind dafür nicht nötig. Ein paar feste Regeln genügen.
1. Erst ausmisten, dann Ordnung schaffen
Ausmisten ist die Vorarbeit für jede Ordnung. Solange Sie Dinge aufbewahren, die Sie nicht nutzen, finden Sie für das Wichtige keinen Platz. Das Aufräumen bleibt dann ein Verschieben von Stapeln. Die bewährte Reihenfolge beginnt mit der Kleidung. Danach folgen Bücher, Papiere, Küchengeräte und zuletzt Dekoartikel. Beim Ausmisten nach Zimmern entscheiden Sie mehrfach über denselben Gegenstand, wenn er in Wohnzimmer, Schlafzimmer und Flur verteilt ist. Nach Kategorien entscheiden Sie nur einmal.
Die Entscheidungsregel lautet: Alles, was Sie im letzten Jahr nicht benutzt haben und was weder saisonal noch aus Erinnerungsgründen wichtig ist, verlässt das Haus. Ein Werkzeug, das seit zwei Jahren ungenutzt im Schrank liegt, Kleidung in nicht mehr passender Größe oder der zweite Föhn: Diese Dinge geben Sie ab, verkaufen oder entsorgen sie. Erinnerungsstücke dürfen bleiben, solange sie einen sichtbaren Platz haben und nicht in Kisten verschwinden. Wer seine Ablageflächen als kreatives Chaos bezeichnet, muss dieses System nicht aufgeben. Eine begrenzte Zone für Arbeitsmaterial oder Hobbyprojekte ist vertretbar, solange Sie darin wiederfinden, was Sie suchen.
2. Jedes Ding braucht einen festen Platz
Ordnung hält nur, wenn jeder Gegenstand einen festen Platz hat und dieser Platz dort liegt, wo der Gegenstand benutzt wird. Der Schlüssel hängt an der Tür, die Schere liegt in der Küchenschublade, die Fernbedienung steht auf dem Beistelltisch. Kehrt ein Gegenstand nach der Benutzung genau dorthin zurück, müssen Sie beim Aufräumen keine Entscheidungen mehr treffen. Das spart Zeit und senkt die Hürde, gleich wegzuräumen.
Zwei Zusatzregeln erleichtern das. Erstens: Kommt etwas Neues ins Haus, geht etwas Altes hinaus. Die Faustregel eins rein, eins raus funktioniert besonders bei Kleidung und Küchenutensilien, denn sie verhindert, dass der Bestand wächst. Zweitens: Räumen Sie kleine Dinge sofort weg, wenn es weniger als dreißig Sekunden dauert. Hängen Sie die Jacke an den Haken, legen Sie die Post in den Ablagekorb. Den leeren Becher stellen Sie in die Spülmaschine. Diese kleinen Handgriffe verhindern, dass sich über den Tag ein zweites Aufräumprojekt ansammelt.
3. Zehn Minuten am Abend genügen
Eine feste Abendroutine hält ein Haus sauberer als stundenlanges Wochenendputzen. Nehmen Sie sich jeden Abend zehn Minuten Zeit und stellen Sie einen Timer. Räumen Sie dann die drei Bereiche auf, in denen sich der Alltag abspielt: Küchentheke, Esstisch und Flur. Wenn Sie diese Flächen täglich freihalten, bleibt der Rest überschaubar, und das Grundputzen am Wochenende fällt kürzer aus.
Am besten wählen Sie einen Moment, der ohnehin regelmäßig stattfindet: direkt nach dem Abendessen, bevor Sie die Zähne putzen oder während das Badewasser läuft. Wer die Routine an ein bestehendes Ritual hängt, vergisst sie seltener als jemand, der sich vornimmt, irgendwann am Abend aufzuräumen. Nach zwei bis drei Wochen läuft die Abendroutine ohne bewusste Entscheidung.
4. Erst aufräumen, dann putzen
Putzmittel entfernen Schmutz von Flächen, aber sie räumen keinen Stapel weg. Wischen Sie eine Arbeitsplatte erst, wenn die Gegenstände darauf weggeräumt sind. Sonst nehmen Sie Kaffeemaschine, Brotkasten und Gewürzdose einzeln hoch, wischen darunter und stellen sie zurück. Danach wischen Sie ein zweites Mal. Das kostet doppelt so viel Zeit wie der klare Ablauf: erst die Flächen freiräumen, dann wischen.
Arbeiten Sie dabei von oben nach unten: erst die Möbelflächen, dann der Boden. Der Staub, den Sie von oben lösen, landet auf dem Boden und wird im letzten Schritt entfernt. Halten Sie die nötigen Utensilien in einer Box oder einem Eimer bereit: Allzweckreiniger, Mikrofasertücher und Schwamm. Wer nicht erst nach Material suchen muss, wischt auch zwischendurch eine Fläche. Bei empfindlichen Oberflächen wie Holz oder Naturstein prüfen Sie vorher, welches Reinigungsmittel geeignet ist, denn ein falsches Mittel beschädigt die Oberfläche dauerhaft.
5. Aufgaben verteilen und Maßstäbe klären
In Paarhaushalten und Wohngemeinschaften entstehen Konflikte um Ordnung meist aus unterschiedlichen Maßstäben, selten aus mangelndem Geschick. Umfragen zeigen, dass Putzen für die meisten Deutschen kein großes Streitthema ist. Dennoch berichten viele Haushalte von Reibereien, weil zwei Menschen verschieden empfindlich auf Unordnung reagieren. Was für den einen eine akzeptable Küche ist, wirkt auf die andere dreckig.
Die Abhilfe ist, Erwartungen konkret zu machen. Besprechen Sie, was in Ihrem Haushalt als sauber gilt: Spülen Sie das Geschirr direkt ab oder stellen Sie es in die Spülmaschine? Wird bei Ihnen staubgesaugt, wenn der Boden sichtbar schmutzig ist, oder nach festem Rhythmus? Halten Sie diese Absprachen als kurze Liste fest und verteilen Sie Aufgaben klar. Sie können nach Zimmern, nach Tätigkeiten oder im wöchentlichen Wechsel vorgehen. Feste Tage geben Struktur. Zum Beispiel Bad am Donnerstag, Böden am Samstag und Wäsche, wenn der Korb voll ist. Wer einen festen Auftrag hat, muss keine Erinnerungen aussprechen. Genau diese ständigen Hinweise sind die häufigste Quelle von Streit.
Wer allein wohnt, setzt sich einen eigenen Mindeststandard: Sie können unangemeldeten Besuch empfangen, ohne vorher eine Stunde aufzuräumen. Dafür reichen meist die Regeln, dass über Nacht kein Geschirr in der Spüle steht und die Arbeitsflächen abends frei sind.