Irgendwann lässt sich die Tür des Gefrierschranks nur noch schwer schließen, Schubladen klemmen, und die Eisschicht ist mehrere Zentimeter dick. Dann wird es Zeit, das Gerät abzutauen. Dicke Eisschichten nehmen Stauraum weg und erhöhen den Stromverbrauch. Wer den Vorgang sorgfältig durchführt, vermeidet nasse Böden, beschädigte Lebensmittel und Schäden am Gerät.

Wann Gefrierschrank abtauen?

Es gibt keine einheitliche Grenze, ab wann Sie abtauen müssen. Die Hersteller nennen unterschiedliche Werte. Einige empfehlen das Abtauen bei einer Eisschicht von etwa sieben Millimetern, andere erst bei einem Zentimeter oder mehr. Als Faustregel gilt: Sobald die Reifschicht mehrere Millimeter dick ist, Schubladen nicht mehr richtig schließen oder spürbar Stauraum verloren geht, sollten Sie handeln. Entscheidend ist jedoch immer die Bedienungsanleitung Ihres konkreten Modells. Sie enthält die verbindlichen Vorgaben.

Dicke Eisschichten verschlechtern die Raumausnutzung und beeinträchtigen die Energieeffizienz. Je dicker das Eis, desto mehr Strom braucht das Gerät, um die Temperatur zu halten. Regelmäßiges Abtauen lohnt sich also doppelt.

Bevor Sie beginnen, prüfen Sie, ob Ihr Gerät manuell abgetaut werden muss. No-Frost-Geräte führen das Abtauen automatisch durch. Hier ist kein Handgriff nötig. Low-Frost-Geräte bilden weniger Eis, müssen aber je nach Modell dennoch gelegentlich abgetaut werden. Bei klassischen Gefriergeräten und Gefriertruhen ohne Abtauautomatik müssen Sie selbst abtauen.

Lebensmittel vorbereiten

Ein sorgfältig geplanter Abtauvorgang beginnt mit der richtigen Vorbereitung des Gefrierguts. Nehmen Sie alle Lebensmittel aus dem Gerät und verpacken Sie sie dicht verschlossen in Kühlboxen oder isolierenden Taschen. Legen Sie Kühlakkus zwischen die Packungen, um die Temperatur möglichst niedrig zu halten. Stellen Sie die Boxen an einen schattigen, kühlen Ort. Bei geeigneter Witterung kann auch ein geschützter Balkon oder Kellerraum dienen, solange die Lebensmittel vor Sonne, Tieren und Verunreinigung geschützt sind.

Wenn einzelne Lebensmittel während des Vorgangs angetaut sind, müssen Sie sie nach dem Abtauen beurteilen. Gegarte Speisen und rohe pflanzliche Lebensmittel können unter bestimmten Bedingungen erneut eingefroren oder schnell verarbeitet werden. Rohe tierische Lebensmittel sollten nach dem Auftauen vollständig durcherhitzt werden. Aufgetautes Speiseeis gehört in den Müll. Entscheidend ist die konkrete Lebensmittelart. Ein prüfender Blick auf Zustand und Geruch hilft.

Gerät ausschalten und Wasser auffangen

Sobald die Lebensmittel sicher verstaut sind, schalten Sie das Gerät aus und ziehen Sie den Netzstecker. Ist der Stecker nicht erreichbar, unterbrechen Sie die Stromzufuhr über die Sicherung. Drehen Sie nicht nur den Temperaturregler auf eine niedrige Position. Das trennt das Gerät nicht zuverlässig vom Netz.

Entfernen Sie Schubladen, Körbe und lose Glasplatten. Bei Gefriertruhen mit Tauwasserstopfen oder Ablassöffnung nutzen Sie diese Vorrichtung. Stellen Sie eine flache Schale direkt unter den Ablauf. Legen Sie vor dem Gerät saugfähige Handtücher oder eine flache Auffangwanne aus. Halten Sie zusätzlich einen Schwamm und weitere Tücher bereit, damit Sie Schmelzwasser sofort aufnehmen können.

Manche Geräte besitzen keinen nutzbaren Ablauf. In diesem Fall müssen Sie das Wasser direkt vom Boden des Innenraums aufnehmen. Kontrollieren Sie während des gesamten Vorgangs regelmäßig, ob Wasser austritt, und leeren Sie die Auffangbehälter rechtzeitig. Stecken Sie keine Tücher in Lüftungsschlitze oder elektrische Bauteile. Kippen Sie das Gerät nicht nach vorn, um Wasser herauszulassen. Das kann bei Einbaugeräten Möbel, Boden und Anschlüsse gefährden.

Natürlich abtauen

Die materialschonendste Methode ist das natürliche Abtauen bei geöffneter Tür. Nach dem Ausschalten steigt die Temperatur im Innenraum langsam an. Die Eisschicht beginnt an einzelnen Stellen zu schmelzen und löst sich nach und nach. Lassen Sie dem Prozess Zeit. Wie lange er dauert, hängt von der Eisdicke, der Raumtemperatur, der Gerätegröße und der Bauart ab. Eine pauschale Zeitangabe ist nicht möglich.

Sobald sich Eisstücke von selbst lösen, können Sie diese vorsichtig von Hand entnehmen. Fest haftende Schichten sollten Sie nicht abhebein oder gewaltsam lösen. Arbeiten Sie sich schrittweise vor. Prüfen Sie regelmäßig, ob neues Schmelzwasser anfällt. Nehmen Sie Wasser sofort auf und warten Sie, bis auch an Wänden, Boden und Abläufen keine festen Eisreste mehr haften.

Das sollten Sie vermeiden

Messer, Schraubendreher, Gabeln oder andere spitze Gegenstände haben im Gefrierschrank während des Abtauens nichts zu suchen. Sie können die Innenauskleidung oder die empfindlichen Leitungen des Kältekreislaufs beschädigen. Ein Leck im Kühlkreislauf ist teuer und aufwendig zu reparieren. Auch Kunststoffschaber sind nicht automatisch für jedes Gerät geeignet. Verwenden Sie einen Schaber nur, wenn die Bedienungsanleitung Ihres Modells ihn ausdrücklich erlaubt.

Elektrische Heizgeräte wie Föhn, Heizlüfter oder Heißluftpistolen sollten Sie ebenfalls nicht einsetzen. Sie verbinden mehrere Risiken. Wasser und Strom können in Kontakt kommen. Kunststoffteile und Dichtungen können durch punktuelle Hitze verformt werden. Bei Geräten mit brennbarem Kältemittel bestehen zusätzliche Brand- und Explosionsgefahren. Hersteller schließen diese Hilfsmittel ausdrücklich aus.

Kochendes Wasser im Innenraum ist tabu. Zwar erlauben einige Hersteller bei bestimmten Modellen einen Topf mit heißem, nicht kochendem Wasser auf einer Unterlage. Das ist jedoch keine Standardmethode und sollte nur angewendet werden, wenn die Bedienungsanleitung Ihres Geräts dies vorsieht. Für einen sicheren, geräteübergreifenden Ablauf gilt: Arbeiten Sie ausschließlich mit Raumtemperatur, geöffneter Tür, Tüchern und einem geeigneten Auffangsystem. Das verhindert Verbrühungen, Temperaturschocks und Schäden an empfindlichen Bauteilen.

Reinigung und Neustart

Nachdem alles Eis geschmolzen ist, nehmen Sie die letzten Tauwasserreste mit einem Schwamm oder Tuch auf. Reinigen Sie den Innenraum, die Schubladen, die Dichtungen und zugängliche Abläufe mit einem feuchten Tuch und etwas milder Spüllauge. Verwenden Sie keine aggressiven Scheuermittel, keine scheuernden Schwämme und keine Dampfreiniger. Die Türdichtung reinigen Sie besonders vorsichtig. Anschließend trocknen Sie den gesamten Innenraum gründlich. Ein vollständig trockener Innenraum reduziert das Risiko neuer Reifbildung und verhindert, dass Wasser beim Wiedereinschalten in unerwünschte Bereiche läuft.

Setzen Sie das Zubehör wieder ein und schließen Sie den Ablauf, falls vorhanden. Schalten Sie das Gerät ein und stellen Sie die gewünschte Gefriertemperatur ein. Als Zielwert für die Lagerung gelten übliche minus 18 Grad Celsius. Warten Sie, bis das Gerät die eingestellte Temperatur erreicht hat, bevor Sie die Lebensmittel wieder einräumen. Wie lange das dauert, ist modellabhängig. Die Temperaturanzeige oder ein separates Thermometer gibt Ihnen verlässliche Auskunft.

Falls sich nach kurzer Zeit erneut starke oder einseitige Eisbildung zeigt, sollten Sie die Ursache prüfen. Eine undichte Türdichtung, häufiges Türöffnen oder blockierte Luftkanäle können dahinterstecken. In hartnäckigen Fällen ist der Kundendienst die richtige Anlaufstelle.

Fazit zum Abtauen

Gefrierschrank abtauen gehört zu den Aufgaben, die mit etwas Vorbereitung gut machbar sind. Am sichersten ist das kontrollierte natürliche Abtauen mit vorbereiteten Kühlboxen, geöffneter Tür, einem geeigneten Auffangbehälter und regelmäßiger Wasserentnahme. Verzichten Sie auf Messer, Heizgeräte und kochendes Wasser. Sie können Gerät und Lebensmittel beschädigen. Planen Sie den Vorgang rechtzeitig, damit der Gefrierschrank danach wieder sauber und einsatzbereit ist.