Die Anzeige am Kühlschrank zeigt nicht unbedingt die Temperatur jedes Lebensmittels. Sie kann einen Zielwert oder die Lufttemperatur an einem einzelnen Sensor messen. Für eine zuverlässige Prüfung benötigen Sie ein geeignetes Thermometer, den richtigen Messort und etwas Geduld.
Damit prüfen Sie, ob die Kühlung zu den gelagerten Lebensmitteln passt und ob eine Prüfung der Temperaturverteilung im Gerät nötig ist. Verpackungsangaben und Herstellerhinweise haben Vorrang vor einer allgemeinen Temperaturzahl.
Die Einstellung ist nur ein Zielwert
Wenn Sie am Kühlschrank beispielsweise 4 °C einstellen, bestimmen Sie damit zunächst eine Zieltemperatur. Bei vielen Geräten zeigt das Display diesen Sollwert, nicht die aktuelle Temperatur im gesamten Innenraum. Andere Modelle messen die Luft an einer bestimmten Stelle. Beides zeigt noch nicht, wie warm ein dicht gepackter Behälter, ein Joghurt im Türfach oder ein großes Stück Fleisch im Inneren wirklich ist.
Vier Begriffe helfen bei der Einordnung:
- Einstelltemperatur: der am Bedienfeld ausgewählte Wert.
- Angezeigte Temperatur: je nach Gerät der Sollwert oder eine Messung an einem Sensor.
- Lufttemperatur: die Temperatur an einem bestimmten Punkt im Kühlraum.
- Produkttemperatur: die Temperatur im Lebensmittel oder im Inneren einer Verpackung.
Lebensmittel erwärmen oder kühlen sich langsamer als die Luft. Eine kurz geöffnete Tür, größere Mengen neu eingeräumter Lebensmittel oder ein laufender Kühlvorgang können die Lufttemperatur vorübergehend verändern. Ein Lebensmittel in einer geschlossenen Box wird dabei deutlich langsamer warm oder kalt. Nach dem Einschalten oder einer Änderung der Einstellung brauchen Kühlschränke außerdem mehrere Stunden, bis die Temperatur stabil bleibt.
Auch im Inneren des Geräts kann die Temperatur unterschiedlich sein. Bei Geräten mit statischer Kühlung ist der untere Bereich häufig kälter, während das obere Fach und die Türfächer wärmer sein können. Je nach Gerät, Füllmenge und Luftzirkulation können die Unterschiede deutlich sein. Ein Fach nahe der Rückwand oder eine besondere Frischezone folgt zudem oft einer eigenen Temperaturregelung.
Die Einstellung bleibt trotzdem ein sinnvoller Ausgangspunkt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für private Haushalte, den Kühlschrank auf höchstens 7 °C einzustellen, besser unter 5 °C. Diese Orientierung gilt jedoch nicht als pauschale Produkttemperatur für alle Lebensmittel. Für ein konkretes Gerät und ein konkretes Produkt können andere Angaben gelten.
Kühlschranktemperatur mit Thermometer prüfen
Für die Kontrolle eignet sich ein Kühlschrank- oder Gerätethermometer, das für niedrige Temperaturen vorgesehen ist. Ein Kochthermometer kann die Temperatur eines einzelnen Lebensmittels messen, ist aber nicht automatisch für eine längere Messung der Kühlschrankluft ausgelegt. Beachten Sie deshalb die Gebrauchsanweisung des Thermometers.
Prüfen Sie die Temperatur im Alltag so:
- Füllen Sie ein Glas mit Wasser und stellen Sie das Thermometer hinein, sofern der Hersteller des Thermometers diese Anwendung vorsieht.
- Platzieren Sie das Glas im mittleren Bereich des Kühlraums. Der Sensor sollte weder die Rückwand noch eine Kühlluftöffnung berühren.
- Schließen Sie die Tür und lassen Sie das Thermometer mehrere Stunden stehen. Als Orientierung gelten 5 bis 8 Stunden. Nach einer Änderung der Einstellung warten Sie zusätzlich die Stabilisationszeit ab, die in der Geräteanleitung genannt wird.
- Lesen Sie den Wert bei normalem Betrieb ab. Messen Sie nicht direkt nach langem Offenstehen der Tür oder nachdem Sie viele noch warme Lebensmittel eingeräumt haben.
- Notieren Sie Messwert, Fach und Zeitpunkt, damit Sie spätere Messungen besser vergleichen können.
Das Wasser im Glas gleicht kurze Schwankungen aus und reagiert weniger stark auf Veränderungen der Kühlschrankluft als ein frei hängender Sensor, sodass Sie eine brauchbare Orientierung für den Bereich erhalten, in dem das Glas steht. Die Messung ersetzt jedoch keine Prüfung der Produkttemperatur.
Messen Sie bei Bedarf erneut an verschiedenen Stellen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, die Temperatur regelmäßig an unterschiedlichen Positionen im Kühlschrank zu überprüfen. Eine zusätzliche Messung im unteren Bereich und eine Kontrolle im oberen Fach oder an einem häufig genutzten Türfach zeigen, wie stark sich die Zonen unterscheiden.
Bei Kühlschränken mit Umluft, besonderen Frischefächern oder einer Null-Grad-Zone gelten die Vorgaben des Herstellers. Die Mitte des Kühlraums ist eine gute Ausgangsposition; je nach Gerät eignet sich jedoch ein anderer Messort.
Der Messort verändert den Wert
Wählen Sie den Messort gezielt, statt das Thermometer am nächsten freien Platz abzulegen. Er bestimmt, welchen Bereich Sie prüfen. Für die allgemeine Orientierung ist die Mitte des Kühlraums meist geeignet. Möchten Sie leicht verderbliche Lebensmittel kontrollieren, messen Sie zusätzlich den Bereich, in dem diese Lebensmittel tatsächlich liegen.
Ein sinnvoller Messplan kann so aussehen:
- Mittlerer Bereich: Hier erhalten Sie eine erste Orientierung über die Kühlung des Hauptfachs.
- Untere Glasplatte oder vorgesehener kälterer Bereich: Kontrolle für besonders empfindliche Lebensmittel, sofern die Geräteanleitung diesen Bereich empfiehlt.
- Oberes Fach oder Türfach: Prüfung, wenn dort Milchprodukte, Aufstriche oder andere kühlpflichtige Lebensmittel stehen.
- Sonderfach: eigene Messung nach den Angaben des Geräteherstellers.
Türfächer werden durch das häufige Öffnen stärker von der Raumluft beeinflusst; auch große Behälter, dicht gestapelte Packungen und eine zugestellte Rückwand können die Luftzirkulation verändern. Räumen Sie den Kühlschrank deshalb nicht so voll, dass kalte Luft kaum noch zirkulieren kann. Gleichzeitig sollten Lebensmittel nicht direkt an eine kalte Rückwand gedrückt werden, wenn dadurch Frost- oder Qualitätsschäden entstehen können.
Ein einzelner auffälliger Wert zeigt zunächst nur, dass etwas beobachtet wurde. Er ist keine technische Diagnose. Prüfen Sie zuerst, ob das Thermometer korrekt platziert war, ob die Tür lange offenstand und ob die Messung nach einer ausreichenden Wartezeit erfolgte. Bleiben Werte unter vergleichbaren Bedingungen auffällig, richten Sie sich nach der Bedienungsanleitung und den Hinweisen des Herstellers. Eine pauschale Aussage über einen Defekt lässt sich aus einer Haushaltsmessung nicht ableiten.
Verpackung und Lebensmittel richtig einordnen
Die Temperaturangabe auf der Verpackung gilt für das jeweilige Produkt und ist daher maßgeblich. Beachten Sie Hinweise wie „gekühlt lagern“, eine konkrete Höchsttemperatur oder die Empfehlung, ein Produkt nach dem Öffnen innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu verbrauchen. Nach dem Öffnen können andere Bedingungen gelten als bei der ungeöffneten Verpackung.
Eine allgemeingültige Zahl für alle Lebensmittel gibt es nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt für kühlbedürftige Lebensmittel je nach Produkt unterschiedliche Lager- und Produkttemperaturen. Vorverpacktes Hackfleisch kann beispielsweise deutlich kälter gelagert werden müssen als Butter. Entscheidend sind die Lebensmittelart, die Verpackung, die Ausgangstemperatur und die bisherige Kühlkette.
Verlassen Sie sich bei einem zu warm gelagerten empfindlichen Lebensmittel daher nicht allein auf Geruch, Aussehen oder Geschmack. Krankheitserreger können vorhanden sein, ohne dass sich das Produkt eindeutig verändert. Für Schwangere, ältere Menschen, kleine Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem ist besondere Vorsicht sinnvoll. Im Zweifel gelten die konkreten Herstellerangaben und die Empfehlungen für die jeweilige Personengruppe.
Lagern Sie Lebensmittel außerdem hygienisch:
- Lagern Sie Reste in verschlossenen Behältern oder abgedeckt.
- Trennen Sie rohe Lebensmittel von gegarten und verzehrfertigen Speisen.
- Lagern Sie Fleisch, Geflügel und Fisch so, dass keine Flüssigkeit auf andere Lebensmittel tropfen kann.
- Verschließen Sie geöffnete Verpackungen nach den Angaben auf der Packung oder füllen Sie den Inhalt in geeignete, saubere Behälter um.
- Räumen Sie leicht verderbliche Lebensmittel in den kälteren geeigneten Bereich des Geräts.
- Bringen Sie gekühlte Einkäufe möglichst schnell wieder in den Kühlschrank.
Abdecken und Trennen verbessern die Küchenhygiene, messen aber keine Temperatur. Die Abdeckung schützt vor Austrocknung und Geruchsübertragung. Die Trennung verhindert, dass Flüssigkeiten oder Kontakt zwischen rohen und verzehrfertigen Lebensmitteln zu einer Verunreinigung führen.
Was der Messwert aussagt
Der Wert im Glas Wasser beschreibt nach mehreren Stunden die Temperatur an diesem Messort; die Lebensmittel im Kühlschrank können dennoch unterschiedliche Temperaturen haben. Ein großer, frisch eingeräumter Behälter kann im Inneren noch wärmer sein, während ein kleines Produkt nahe einer kalten Zone bereits deutlich kälter ist.
Ordnen Sie kurze Temperaturspitzen zusammen mit den Umständen ein. Türöffnungen, Abtauphasen, neue Einkäufe und die Beladung beeinflussen die Luft. Wiederholte Messungen unter normalen Bedingungen sind deshalb aussagekräftiger als ein einzelner Wert direkt nach einer Veränderung.
Verwenden Sie Messwerte nicht für pauschale Haltbarkeitsversprechen. Eine bestimmte Kühlschranktemperatur bedeutet nicht automatisch, dass jedes Lebensmittel bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum sicher oder qualitativ unverändert bleibt. Prüfen Sie stattdessen die Produktangaben, den Zustand der Verpackung, den Öffnungszeitpunkt und die bisherige Lagerung.
Für den Alltag reicht meist diese kurze Kontrolle:
- Verwenden Sie ein geeignetes Kühlschrankthermometer.
- Messen Sie im mittleren Bereich in einem Glas Wasser.
- Halten Sie die Tür während der Messung mehrere Stunden geschlossen.
- Warten Sie nach einer Änderung der Einstellung die Stabilisierung ab.
- Vergleichen Sie bei Bedarf obere, untere und besondere Kühlzonen.
- Beachten Sie Verpackungs- und Herstellerhinweise.
- Lagern Sie Lebensmittel abgedeckt, getrennt und mit ausreichender Luftzirkulation.
So prüfen Sie die Kühlschranktemperatur im Alltag
Die Einstellung am Kühlschrank gibt einen Zielwert vor. Sie misst nicht zuverlässig die Temperatur jedes Lebensmittels. Ein geeignetes Thermometer im Glas Wasser, mehrere Stunden Wartezeit und ein sinnvoller Messort liefern eine deutlich bessere Orientierung.
Ordnen Sie den Messwert stets im Zusammenhang mit der Temperaturzone, der Angabe auf der Verpackung und der bisherigen Lagerung ein. So vermeiden Sie sowohl unnötig kalte Einstellungen als auch falsche Sicherheit bei empfindlichen Lebensmitteln.