In einem unübersichtlichen Gefrierschrank verschwinden Lebensmittel hinter anderen. Sie werden vergessen und landen im Müll. Ein festes System aus Kategorien, flachen Portionen, gut lesbaren Etiketten und einer Bestandsliste beendet das Suchen und reduziert die Abfälle. 2022 wurden in Deutschland knapp 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle erfasst. Private Haushalte verursachen davon einen großen Teil. Andere Erhebungen kommen auf noch höhere Werte.
Das System funktioniert in jeder Gefriertruhe oder Kühl-Gefrierkombination. Es braucht keine neuen Geräte, nur Zeit beim Einrichten und eine feste Gewohnheit beim Einräumen.
Ordnung reduziert Abfall und Stromkosten
Der wichtigste Grund für Ordnung im Gefrierschrank ist: Sie sehen auf einen Blick, was eingelagert ist. Was nicht sichtbar ist, wird vergessen. Ein Paket Hackfleisch unter mehreren Tüten Gemüse entdecken Sie erst beim nächsten großen Ausräumen, oft mit Gefrierbrand. Gefrierbrand entsteht, wenn Luft an das Lebensmittel gelangt und es austrocknet. Er zeigt sich als graue oder bräunliche Stellen. Das Essen ist dann nicht verdorben, schmeckt aber trocken und verliert an Qualität.
Wer dagegen weiß, was im Schrank liegt, plant Mahlzeiten um die vorhandenen Vorräte und kauft nichts doppelt. Die Abfallmengen zeigen, wie groß das Problem ist. In Deutschland landen jährlich über 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in der Tonne, fast ein Drittel des Nahrungsmittelverbrauchs. Fast 10 Millionen Tonnen davon wären vermeidbar. Ein organisierter Gefrierschrank hält Lebensmittel sichtbar und das Datum im Blick. So verhindern Sie einen großen Teil der vermeidbaren Abfälle im Haushalt.
Auch die Stromrechnung profitiert: Ein voller Gefrierschrank verbraucht weniger Strom als ein halb leerer, weil die eingelagerten Lebensmittel die Kälte speichern. Das heißt nicht, dass Sie ihn wahllos füllen sollen. Ein gut gefüllter, übersichtlicher Schrank ist das Ziel.
Leeren, abtauen, sichten
Bevor ein System funktioniert, müssen Sie den Schrank leeren. Räumen Sie alle Lebensmittel aus und lagern Sie sie während der Arbeit in Kühlboxen oder mit Kühlakkus, damit nichts antaut. Wenn sich Eis angesetzt hat, tauen Sie das Gerät ab und reinigen es. Beachten Sie dabei die Hinweise des Herstellers, denn manche Geräte haben Ablaufrinnen, andere ein Abtauprogramm.
Nach dem Abtauen sichten Sie jeden Vorrat. Entscheiden Sie, was Sie essen und was Sie aussortieren. Stark überlagerte, abgelaufene oder gefrierbrandige Lebensmittel wandern in den Biomüll. Was noch gut ist, aber schon länger liegt, kommt auf den Speiseplan der nächsten Tage. Dabei gilt eine feste Regel: Einmal aufgetaute Lebensmittel, besonders rohes Fleisch, frieren Sie nicht wieder ein. Sie verlieren an Qualität, und Bakterien, die sich beim Auftauen vermehrt haben, überleben das erneute Einfrieren.
Zonen festlegen
Bevor Sie einräumen, legen Sie fest, welche Zone welche Lebensmittel aufnimmt. Bewährt sind feste Kategorien wie Fleisch und Fisch, Gemüse und Kräuter, Backwaren, fertige Gerichte sowie Obst und Desserts. In einem Gefrierschrank mit Schubladen bekommt jede Kategorie eine eigene Schublade. In einer Truhe nutzen Sie Körbe oder Einsätze, damit die Kategorien nicht ineinander rutschen. Kleinteile wie Kräuter, Brühewürfel oder Beeren sammeln Sie in einer Box, sonst verschwinden sie zwischen großen Paketen.
Das System funktioniert nur, wenn Sie es stabil halten. Legen Sie die Zonen einmal fest und halten Sie sie ein. Dann findet jedes Haushaltsmitglied die Erbsen, ohne zu suchen, und räumt Neues an den richtigen Platz.
Flach und portionsweise einfrieren
Am wichtigsten sind flache Portionen. Sie frieren schneller durch, tauen schneller auf und stapeln sich platzsparend. Füllen Sie Gefrierbeutel flach, drücken Sie die Luft heraus und legen Sie sie zunächst einzeln auf ein Tablett oder Brett ins Gefrierfach. Sobald sie durchgefroren sind, stellen Sie sie hochkant in eine Box oder Schublade. So sehen Sie auf einen Blick, was vorhanden ist, und können einzelne Pakete herausziehen, ohne den ganzen Stapel anzutauen.
Portionieren Sie so, dass eine Portion für eine Mahlzeit reicht, nicht nach der Größe der Kaufpackung. Hackfleisch teilen Sie in Portionen für eine Mahlzeit, Suppen und Saucen füllen Sie in Beutel oder Boxen für eine Portion. Schreiben Sie die Portionsgröße auf das Etikett, dann müssen Sie beim Kochen nicht raten. Bei Beeren, Kräutern oder Gemüsestücken lohnt sich das Vorfrieren auf einem Blech. Danach rieseln die Stücke einzeln in den Beutel. Später nehmen Sie sie einzeln heraus.
Etiketten, die man lesen kann
Jedes Paket bekommt ein Etikett mit drei Angaben: Inhalt, Datum und Portionsgröße. Schreiben Sie groß und deutlich. Ein wasserfester Stift auf Gefrierband oder direkt auf dem Beutel hält zuverlässig, ein normaler Kugelschreiber auf glatter Folie verwischt dagegen schnell. Papieretiketten lösen sich im Frost oft ab. Sie eignen sich nur als Zusatz.
Das Datum bestimmt die Reihenfolge beim Verbrauch. Älteres lagern Sie vorne oder oben, Neues hinten oder unten. So verbrauchen Sie immer zuerst, was am längsten liegt, ohne jedes Mal den ganzen Schrank durchsuchen zu müssen.
Die Bestandsliste führen
Eine Bestandsliste verhindert Doppelkäufe und erleichtert die Essensplanung. Sie brauchen dafür keine App, ein Blatt Papier an der Gefrierschranktür oder eine Notizdatei auf dem Handy reicht. Notieren Sie, was eingefroren ist, in welcher Menge und seit wann. Nach jedem Einräumen und Entnehmen aktualisieren Sie die Liste, das dauert nur wenig Zeit.
Die Liste verbinden Sie am besten mit den Kategorien, etwa nach dem Muster Gemüse: Erbsen, zwei Beutel, März. Beim Einkaufen sehen Sie dann auf einen Blick, dass Sie noch Vorrat haben, und kaufen nichts doppelt. Beim Kochen wissen Sie, welche Zutaten schon im Schrank liegen.