Ein Keller bleibt im Sommer kühl, weil seine Wände Wärme nur langsam aufnehmen. Diese Kühle macht das Lüften zum Risiko: Warme Sommerluft nimmt viel mehr Wasserdampf auf als kalte Luft. Wenn Sie tagsüber das Kellerfenster öffnen, strömt diese feuchte Luft in den Keller, kühlt an den kalten Wänden ab und hinterlässt Kondenswasser. Wer einen muffigen Keller kräftig durchlüftet, macht die Feuchtigkeit schlimmer, statt sie zu beseitigen.
Die Grundregel für den Sommer: Lüften Sie den Keller nur, wenn die Außenluft kühler und trockener ist als die Kellerluft. Das ist meist früh morgens und am späten Abend nach Sonnenuntergang der Fall. Solange die Sonne auf das Haus scheint, bleiben die Kellerfenster geschlossen.
Warum feuchte Sommerluft im Keller kondensiert
Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft. Sinkt die Temperatur der Luft, sinkt auch die Menge an Wasserdampf, die sie halten kann. Wenn an einem heißen Tag feuchte Außenluft in den kühlen Keller gelangt, kühlt sie an den Wänden, am Boden und an Rohren stark ab. Die überschüssige Feuchtigkeit schlägt sich dann als flüssiges Wasser an diesen Flächen nieder.
Dieses Kondenswasser zieht in den Putz, hinterlässt dunkle Flecken und schafft ideale Bedingungen für Schimmel. Gerade Kellerräume, die von Natur aus wenig Sonne und kaum Luftbewegung bekommen, trocknen danach nur langsam wieder ab. Der muffige Geruch, den viele als Zeichen für fehlendes Lüften deuten, wird durch kräftiges Sommerlüften oft stärker, weil die feuchte Luft die vorhandene Feuchtigkeit im Raum weiter erhöht.
Morgen und Abend lüften
Die günstigsten Zeitfenster für die Kellerlüftung im Sommer sind die frühen Morgenstunden, bevor die Sonne die Luft erwärmt hat, und der späte Abend nach Sonnenuntergang. Dann ist die Außenluft in der Regel kühler als die Kellerluft und trägt weniger Feuchtigkeit in den Raum.
Wenn Sie lüften, öffnen Sie nach Möglichkeit alle Kellerfenster und auch die Tür zum Treppenhaus, damit ein Durchzug entsteht. Durchzug ersetzt die Raumluft schnell und vollständig. Eine kurze Stoßlüftung, also das kräftige Durchlüften über wenige Minuten, reicht dann aus; stellen Sie die Fenster danach wieder zu. Ein Dauerlüften über Stunden bringt im Sommer wenig, weil die Luftzirkulation ohne Durchzug zu langsam ist und die warme Außenluft ständig neue Feuchtigkeit in den Keller trägt.
Vermeiden Sie außerdem die Kippstellung. Ein gekipptes Kellerfenster lässt die warme, feuchte Luft den ganzen Tag über langsam in den Keller strömen, ohne dass ein kräftiger Luftaustausch stattfindet. Das Kondensat an den Wänden fällt dann deutlich größer aus als bei kurzem, kräftigem Durchzug.
Tagsüber bleiben die Fenster zu
An heißen Sommertagen gilt: Kellerfenster tagsüber geschlossen halten. Das gilt besonders für schwüle Tage mit hoher Luftfeuchtigkeit, vor Gewittern und nach Regenschauern. In diesen Situationen enthält die Außenluft so viel Wasser, dass jeder Luftaustausch die Feuchtigkeit im Keller erhöht.
Eine Ausnahme gibt es für Feuchträume im Keller. Wenn dort ein Bad, eine Dusche oder ein Waschraum liegt, entsteht auch im Sommer Feuchtigkeit, die abgeführt werden muss. Diese Räume sollten Sie nach der Nutzung kurz und kräftig lüften, selbst wenn draußen warme Luft steht. Der kurze Luftaustausch ist hier wichtiger als das Risiko von Kondenswasser, weil die Feuchtigkeit aus Dusche oder Waschmaschine sonst in der Raumluft bleibt.
Muffiger Geruch und feuchte Wände
Dass die Sommerlüftung schadet, erkennen Sie daran, dass der muffige Geruch nach dem Lüften nicht verschwindet, sondern stärker wird. Dazu kommen feuchte Flecken im Putz, beschlagene Rohre oder ein dauerhaft feuchter Fußboden.
Ein Hygrometer, das die Luftfeuchtigkeit im Keller misst, hilft bei der Kontrolle. Wenn die Luftfeuchtigkeit nach dem Lüften steigt statt fällt, ist die gewählte Lüftungszeit ungünstig. Schließen Sie die Fenster dann wieder und versuchen Sie es am nächsten Morgen oder Abend erneut, wenn die Außenluft kühler und trockener ist.
Sind bereits feuchte Stellen oder Schimmel sichtbar, trocknen Sie die betroffenen Flächen und beobachten Sie, ob sie nach einer Umstellung des Lüftungsverhaltens wiederkehren. Bleibt die Feuchtigkeit trotz richtigem Lüften bestehen, liegt die Ursache vermutlich nicht in der Sommerluft, sondern im Gebäude selbst, etwa an einem defekten Rohr oder an eindringendem Grundwasser. In dem Fall hilft nur eine fachkundige Prüfung.