Wer Getreide über den Winter bringt, muss es sauber, trocken und kühl lagern. Dafür sorgen drei zusammengehörige Maßnahmen: Vorreinigen, Trocknen und Belüften. Fehlt eine davon, drohen Schimmel und Schädlinge, und das Korn verliert an Gewicht.

Nach der Ernte bleiben die Körner weiterhin aktiv: Sie atmen und tauschen Feuchtigkeit mit der Umgebung aus. Die Lagerung muss diese Aktivität so weit verlangsamen, dass das Korn seine Qualität behält.

Warum feuchtes Getreide verdirbt

Zu viel Feuchtigkeit ist der wichtigste Grund für Verluste im Lager, denn feuchte Körner atmen schneller als trockene. Dabei entstehen Wärme und Wasser, die das Getreide weiter aufheizen und die Luftfeuchtigkeit im Lager erhöhen. Ohne Eingreifen endet dieser Kreislauf in Schimmel und muffigem Geruch.

Die Feuchtigkeit stammt meist aus der Ernte, sie kann aber auch durch Kondensation im Lager entstehen. Kalte Außenwände oder ein großer Temperaturunterschied zwischen Korn und Luft reichen dafür. Im Lager kommen zu den Pilzen vom Feld noch typische Lagerpilze und Insekten dazu, die Wärme und Feuchtigkeit brauchen. Je länger das Getreide unter ungünstigen Bedingungen liegt, desto schneller vermehren sie sich. Auch die Zeit ist also ein Risikofaktor: Leicht zu feuchtes Getreide hält kurze Zeit, über Monate hinweg verdirbt es. Das DLG-Merkblatt 425 der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft nennt deshalb Reinigen, Trocknen und Kühlen als die zentralen Maßnahmen der Getreidelagerung.

Getreide vor der Einlagerung reinigen

Vorreinigen bedeutet, das Erntegut von Spreu, Staub, zerbrochenen Körnern und Unkrautsamen zu trennen. Das DLG-Merkblatt nennt diesen Schritt den Mindeststandard für die Lagerung. Die Fremdbestandteile lagern sich zwischen den Körnern ab, verstopfen die Luftkanäle und halten Feuchtigkeit. Zerbrochene Körner atmen schneller als ganze, und Schädlinge fressen zuerst die feinen Bruchstücke.

Reinigen Sie das Getreide deshalb vor der Einlagerung, nicht erst nach einigen Wochen. Für kleinere Mengen genügt ein Getreidereiniger oder ein einfaches Sieb. Auch der Lagerraum selbst gehört vorher gereinigt: Reste vom Vorjahr, Staub und Spinnweben sind die erste Nahrungsquelle für Lagerkäfer und Motten. Ein sauberes Lager beginnt mit einem leeren, trockenen und gut zu belüftenden Raum.

Getreide auf die richtige Restfeuchte trocknen

Die Trocknung entscheidet darüber, ob das Getreide lagert oder schimmelt. Je trockener das Korn, desto langsamer atmet es und desto weniger Angriffsfläche bieten Pilze. Das Ziel ist eine Restfeuchte, die zur Getreideart und zum Verwendungszweck passt. Richtwerte für jede Art können Sie bei der zuständigen Landwirtschaftskammer oder in den Unterlagen Ihres Abnehmers nachschlagen.

Bei kleinen Mengen und günstigem Wetter reicht oft die natürliche Trocknung mit Luft, etwa durch wiederholtes Umschaufeln oder eine Belüftungsanlage. Wer größere Mengen oder feuchtes Erntegut hat, nutzt einen Trockner mit erwärmter Luft. Achten Sie dabei auf die Temperatur: Zu heiß getrocknetes Getreide verliert die Keimfähigkeit und damit seinen Wert als Saatgut. Übertrocknen kostet doppelt: Die Trocknung braucht mehr Energie, und das Korn verliert mehr Gewicht als nötig.

Belüften kühlt und gleicht Feuchtigkeit aus

Belüften bedeutet, Luft durch das Getreide zu bewegen, damit es kühler und gleichmäßiger wird. Die Belüftung ist die dritte zentrale Maßnahme und erfüllt zwei Aufgaben: Sie senkt die Temperatur im Korn und gleicht Feuchtigkeitsunterschiede innerhalb des Lagers aus. Kühles Getreide atmet langsamer, und Pilze und Insekten vermehren sich bei niedrigen Temperaturen kaum noch.

Die Belüftung funktioniert nur, wenn die zugeführte Luft kälter und trockener ist als das Getreide. Warme, feuchte Sommerluft bringt mehr Feuchtigkeit ins Lager, als sie abführt. Belüften Sie deshalb vor allem in den kühlen, trockenen Nächten des Spätsommers und Herbstes. In Flachlagern sorgen ein perforierter Boden oder Luftkanäle für eine gleichmäßige Durchströmung. In Silos bläst ein Ventilator die Luft von unten durch die Getreidesäule. Achten Sie darauf, dass die Luft überall ankommt: Feuchte Stellen am Rand oder an der Oberfläche bleiben sonst unbemerkt und werden zu Schimmelnestern.

Das Lager regelmäßig kontrollieren

Nach der Einlagerung kontrollieren Sie Temperatur und Geruch weiter: in den ersten Wochen wöchentlich, später alle zwei bis vier Wochen. Steigt die Temperatur im Korn, deutet das auf Feuchtigkeit und beginnende Atmung hin. Muffiger Geruch ist ein sicheres Zeichen für Schimmel, auch wenn die Oberfläche noch sauber aussieht. Achten Sie außerdem auf Insektenbefall, besonders an warmen Stellen und in der Nähe von Wänden.

Verbrauchen Sie das älteste Getreide zuerst und mischen Sie nicht frisches mit altem Korn. Frisches Getreide bringt Feuchtigkeit und Wärme ins Lager und lässt das alte Getreide schneller verderben. Wenn Sie Schädlinge entdecken, trennen Sie den befallenen Bereich ab und klären Sie, ob eine Behandlung oder eine schnelle Verwertung sinnvoller ist. Befallenes Getreide ist oft noch als Futter brauchbar, aber nicht mehr als Saatgut oder für die Vermarktung.