Wer in Deutschland einen Notvorrat anlegt, stößt schnell auf Listen mit Dosensuppen, Nudeln und Wasserflaschen. Der Vorrat passt nicht zum eigenen Haushalt. Er soll die Tage überbrücken, an denen Einkaufen oder Versorgung ausfallen. Er funktioniert nur, wenn er sich am eigenen Alltag orientiert, nicht an einer allgemeinen Checkliste.

Der Staat unterhält eigene Lebensmittelreserven, aber sie sind ein letztes Netz, kein Ersatz für die eigene Planung. Wer weiß, wie diese Vorräte verteilt werden und was sie abdecken, kann seinen Vorrat besser planen.

Fertige Checklisten passen selten

Die naheliegende Idee ist, sich eine fertige Notvorrat-Liste zu nehmen und sie abzuarbeiten. Konkrete Einkaufslisten machen wenig Sinn, weil sie nicht zu Ihrem Haushalt passen. Stellen Sie den Vorrat nach Ihrem Geschmack und Ihren Bedürfnissen zusammen.

Ein Beispiel: Eine Familie mit Kleinkind hat andere Grundnahrungsmittel nötig als ein Single-Haushalt mit einer Lebensmittelunverträglichkeit. Wer nur bestimmte Gerichte isst oder auf bestimmte Zutaten angewiesen ist, wird mit einer fremden Liste nicht glücklich. Im Notfall essen Menschen am ehesten, was sie kennen und mögen. Eine sterile Notration, die niemand anrühren will, hilft wenig.

Nehmen Sie die eigene Woche als Vorlage. Schreiben Sie auf, was Sie normalerweise essen und trinken, und kaufen Sie davon einen Vorrat, der einige Tage reicht. So entsteht ein Vorrat, der zu Ihrem Geschmack passt und den Sie im Alltag verbrauchen und wieder auffüllen können.

Was der Staat wirklich liefert

Manche Leute verlassen sich darauf, dass der Staat im Ernstfall schon Lebensmittel bereitstellen wird. Dieses Vertrauen ist teilweise berechtigt, aber es überschätzt das System. Die staatlichen Lebensmittelvorräte kommen erst zum Einsatz, wenn die Bundesregierung eine Versorgungskrise feststellt und der Groß- und Einzelhandel trotz Rationierung nicht mehr genug anbieten kann. Das bedeutet: Es muss schon eine schwere Lage sein, bevor diese Vorräte überhaupt freigegeben werden.

Die Ausgabe läuft dann über öffentliche Verteilstellen wie Supermärkte, Notfalltreffpunkte oder Marktplätze. Die zuständigen Ministerien der Länder beantragen die Lieferungen bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, die über die Verteilung an die Länder entscheidet. Zwischen der Feststellung der Krise und der Ausgabe an den Verteilstellen vergeht einige Zeit. Für die erste Zeit sind Sie auf sich selbst gestellt.

Wer das weiß, macht aus dem staatlichen Vorrat keinen Hauptplan, sondern eine Restabsicherung. Der eigene Vorrat ist die Grundlage. Der Staat kann ihn im Ernstfall ergänzen, aber nicht ersetzen.

An die persönlichen Bedürfnisse denken

Ein zweiter häufiger Fehler ist, nur an Wasser und Grundnahrungsmittel zu denken. Ein Notvorrat muss aber den kompletten Haushalt abdecken. Nehmen Sie sich Zeit, Ihre alltäglichen Gewohnheiten durchzugehen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte einen zusätzlichen Vorrat in Absprache mit der Arztpraxis oder Apotheke anlegen. Eltern mit Säuglingen brauchen Babynahrung und Windeln. Haustiere brauchen Futter. Und zur Grundausstattung gehören Dinge wie ein Dosenöffner, ein Taschenmesser oder eine Taschenlampe, wenn die Stromversorgung ausfällt.

Auch die hygienische Seite wird schnell vergessen. Seife, Zahnpasta, Toilettenpapier und Mittel zur Wasserreinigung gehören in den Vorrat, wenn Sie längere Zeit ohne fließendes Wasser auskommen müssen. Ebenso sollten wichtige Dokumente an einem griffigen Platz liegen, etwa Ausweise, Versicherungsunterlagen und etwas Bargeld. Was Sie konkret brauchen, hängt von Ihrer Lebenssituation ab. Fragen Sie sich: Was brauche ich, wenn ich mehrere Tage nicht einkaufen kann und vielleicht auch keinen Strom und kein Wasser habe?

Den Vorrat anlegen und pflegen

Der letzte Fehler ist, den Notvorrat einmal zu kaufen und dann jahrelang zu ignorieren. Lebensmittel haben ein Haltbarkeitsdatum, Wasser sollte regelmäßig ausgetauscht werden, Medikamente verlieren ihre Wirkung. Ein Vorrat nützt nur, wenn Sie ihn regelmäßig benutzen und auffüllen. Eine einfache Methode: Kaufen Sie beim Einkauf immer ein paar haltbare Produkte mehr als Sie gerade brauchen, und verbrauchen Sie die älteren Bestände zuerst. So bleibt der Vorrat frisch und Sie müssen sich im Ernstfall nicht fragen, ob das Eingelagerte noch genießbar ist.

Prüfen Sie außerdem Ihre Ausrüstung. Haben Sie einen Herd, der ohne Strom funktioniert, etwa einen Campingkocher? Können Sie Ihre Vorräte ohne fließendes Wasser zubereiten? Solche Fragen lassen sich am besten in Ruhe klären, bevor der Notfall eintritt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe stellt dazu den Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ mit Medienpaket bereit, der als Ausgangspunkt für die eigene Planung dienen kann. Die beste Grundlage bleibt jedoch Ihre eigene Liste, abgestimmt auf das, was Sie Tag für Tag tatsächlich nutzen.