Die relative Luftfeuchtigkeit gibt an, wie viel Wasserdampf die Luft im Verhältnis zu ihrer Aufnahmefähigkeit enthält. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Kühlt die Raumluft ab, steigt die relative Luftfeuchtigkeit, auch wenn die Wassermenge gleich bleibt. In Wohnräumen ist ein mittlerer Wert ideal. Bei dauerhaft hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich an kalten Flächen Kondenswasser, und Schimmelpilze haben ideale Bedingungen.
Mit einem Hygrometer messen Sie die Luftfeuchtigkeit. Mit gezieltem Lüften und Heizen halten Sie den Wert im richtigen Bereich. So schützen Sie Wände, Möbel und Ihre Gesundheit.
Was die relative Luftfeuchtigkeit bedeutet
Die Luftfeuchtigkeit in einem Raum hängt davon ab, wie viel Wasser die Luft enthält und wie warm die Luft ist. Wenn die Temperatur sinkt, nähert sich die Luft ihrer Sättigungsgrenze. Dann steigt die relative Luftfeuchtigkeit. Wenn die Luft die Sättigungsgrenze erreicht, kondensiert das Wasser an Fenstern, Fliesen und kalten Außenwänden.
Schimmel entsteht genau an diesen Stellen. Schimmelpilzsporen kommen in der Raumluft fast immer vor. Sie keimen, wenn die Oberfläche feucht ist, die Temperatur passt und ein Nährboden vorhanden ist, etwa Tapete, Putz oder Staub. Besonders gefährdet sind Wärmebrücken. Das sind Stellen, an denen die Wärme schneller nach außen abfließt als durch die übrige Wand. Dazu gehören Fensterlaibungen, Rollladenkästen und Außenecken, vor allem in schlecht gedämmten Wohnungen. An diesen Stellen ist die Wand kälter als die Raumluft. Deshalb liegt die Luftfeuchtigkeit an der Oberfläche höher als der Wert, den das Hygrometer in der Raummitte anzeigt.
Optimale Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen
In Wohnräumen ist ein mittlerer Bereich relativer Luftfeuchtigkeit komfortabel und schimmelsicher. Liegt die Luftfeuchtigkeit darunter, wird die Luft trocken. Das reizt Augen und Schleimhäute, besonders im Winter bei starker Heizung. Liegt sie darüber, fühlt sich die Luft schwül an. Bei dauerhaft sehr hohen Werten steigt das Schimmelrisiko deutlich.
Diese Werte sind keine starren Grenzen. Beim Duschen und Kochen steigt die Luftfeuchtigkeit im Bad und in der Küche kurzzeitig auf sehr hohe Werte. Das ist normal und unproblematisch, wenn Sie danach lüften. Im Schlafzimmer gibt ein Mensch während der Nacht bis zu einem Liter Wasser an die Raumluft ab. Zimmerpflanzen geben zusätzlich Feuchtigkeit ab. Deshalb ist die Luft dort morgens feuchter als abends. Morgendliches Lüften ist wichtig.
Das richtige Hygrometer wählen und aufstellen
Digitale Hygrometer sind für den Haushalt die erste Wahl. Sie zeigen die Luftfeuchtigkeit direkt an. Viele Modelle zeigen zusätzlich die Temperatur an. Analoge Geräte mit einem Haar oder einer Kunststoffmembran, die auf Feuchtigkeit reagiert, werden mit der Zeit ungenauer. Ein digitales Gerät mit einer Abweichung von wenigen Prozentpunkten reicht für die Wohnung.
Der Aufstellungsort entscheidet, ob das Gerät brauchbare Werte zeigt. Stellen Sie das Gerät in dem Raum, den Sie kontrollieren möchten, auf Augenhöhe an einer innenliegenden Wand. Stellen Sie es nicht in die Nähe von Fenstern, Heizkörpern, Duschen, dem Herd oder Zimmerpflanzen. Diese Quellen verfälschen das Messergebnis. Im Schlafzimmer gehört das Gerät in die Nähe des Betts. Dann messen Sie die Luft, die Sie nachts atmen.
Stoßlüften und Querlüften
Lüften Sie dreimal täglich: morgens, mittags und abends. Beim Stoßlüften öffnen Sie die Fenster vollständig und lassen die Luft einige Minuten durch. Im Winter reichen fünf bis zehn Minuten. Die kalte Außenluft enthält wenig Feuchtigkeit und ersetzt die warme Raumluft schnell. Im Sommer, wenn die Außenluft warm und feucht ist, dauert das Lüften länger.
Beim Querlüften öffnen Sie mehrere Fenster in verschiedenen Räumen, sodass ein Durchzug entsteht. Das funktioniert am besten in Wohnungen mit gegenüberliegenden Fenstern. Ein gekipptes Fenster tauscht die Luft nur langsam aus und kühlt die Wände ab. Lassen Sie es deshalb nicht dauerhaft gekippt. Öffnen Sie die Fenster vollständig.
In modernen, luftdichten Wohnungen bleibt die Feuchtigkeit im Raum, wenn Sie nicht regelmäßig lüften. Sie entsteht beim Atmen, Schlafen, Duschen und Kochen. Nach dem Duschen und Kochen lüften Sie sofort, ebenso nach dem Trocknen von Wäsche in der Wohnung. Im Schlafzimmer transportiert das morgendliche Stoßlüften die Feuchtigkeit der Nacht ab.
Heizen gegen Feuchtigkeit
Heizen ist der zweite Hebel gegen Feuchtigkeit. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen. Deshalb sinkt die relative Luftfeuchtigkeit, wenn Sie einen Raum heizen, obwohl die Wassermenge gleich bleibt. Ein ungeheizter Raum gibt seine Feuchtigkeit an die kalten Wände ab. Dort kondensiert sie, und die Wand bleibt feucht.
Halten Sie die Räume auf einer gleichmäßigen Temperatur. In Wohn- und Kinderzimmern sind moderate Temperaturen angemessen, im Schlafzimmer etwas darunter. In selten genutzten Räumen lassen Sie die Heizung auf einer niedrigen Stufe laufen, damit die Wände nicht auskühlen. Lassen Sie die Türen zu kühleren Räumen geschlossen. Sonst gelangt feuchte Luft dorthin und kondensiert an den Wänden.
Stellen Sie Möbel und Schränke nicht direkt an die Außenwand. Ein Abstand von einigen Zentimetern lässt die Luft dahinter zirkulieren und hält die Wand trocken. Halten Sie auch Heizkörper und Fensterbänke frei, damit die warme Luft ungehindert in den Raum strömt.
Typische Fehler im Alltag
Viele Haushalte machen dieselben Fehler. Das Hygrometer steht am Heizkörper oder in der Dusche und zeigt dauerhaft falsche Werte. Die Fenster bleiben nur gekippt statt vollständig geöffnet, und die Luft bleibt feucht. Im Schlafzimmer stellen viele die Heizung aus. Dadurch steigt die Luftfeuchtigkeit über Nacht, und die Wände kühlen aus.
Auch die Stellung der Möbel beeinflusst die Luftfeuchtigkeit. Schränke direkt an der Außenwand blockieren die Luftzirkulation. Dahinter bleibt die Wand feucht. Viele Menschen wischen Kondenswasser am Fenster nur ab, beheben aber die Ursache nicht. Wer Wäsche in der Wohnung trocknet, ohne danach zu lüften, treibt die Luftfeuchtigkeit in die Höhe.
Schimmel entfernen
Wenn Schimmel auftaucht, beseitigen Sie zuerst die Ursache, sonst kommt er zurück. Kleine Stellen auf glatten Flächen wie Fliesen oder Fensterrahmen können Sie mit hochprozentigem Alkohol abwischen. In porösen Materialien wie Putz, Tapeten oder Holz dringt der Schimmel tief ein. Hier hilft das Abwischen nicht. Die betroffenen Stellen müssen entfernt werden. Bei größeren Flächen oder wenn der Schimmel wiederkehrt, sollten Sie eine Fachfirma hinzuziehen.
Schimmel ist ein Gesundheitsrisiko, besonders für Kinder, Allergiker und Menschen mit Atemwegserkrankungen. Wenn Sie die Ursache beseitigt haben und trotzdem weiterhin feuchte Stellen oder muffigen Geruch bemerken, messen Sie die Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum. Liegt sie dauerhaft sehr hoch, verbessern Sie Lüftung und Heizung.