Wollpullover müssen seltener gewaschen werden, als viele denken. Naturwolle weist Schmutz und Gerüche von sich ab, solange sie richtig behandelt wird. Muffiger Geruch entsteht meist nicht durch zu seltenes Waschen, sondern durch falsches Trocknen oder Lagern.
Richtiges Lüften und Heizen entfernen die meisten Gerüche ohne Waschgang und schonen die Fasern. Erst wenn das nicht mehr hilft, gehört der Pullover in die Waschmaschine.
Warum Wolle muffig riecht
Muffiger Geruch entsteht, wenn Feuchtigkeit in der Faser bleibt und Bakterien sich vermehren. Wolle kann viel Wasser aufnehmen, bis zu einem Drittel ihres eigenen Gewichts, ohne sich nass anzufühlen. Wird ein Pullover nach dem Tragen feucht zusammengelegt oder in einem schlecht belüfteten Schrank verstaut, bleibt diese Restfeuchtigkeit in der Faser. Daraus entsteht ein dumpfer Geruch, der mit der Zeit stärker wird.
Dazu kommt: Schweiß und Hautfette setzen sich in der Wolle fest, wenn der Pullover direkt auf der Haut getragen wird. Ein Wollpullover über einem Unterhemd nimmt deutlich weniger Körpergeruch auf als einer, der direkt auf der Haut liegt. Wer muffige Wolle vermeiden will, trägt darunter am besten ein dünnes Baumwoll- oder Seidenunterhemd.
Erst lüften, dann waschen
Bevor Sie über das Waschen nachdenken, lüften Sie den Pullover. Wolle kann sich selbst reinigen. Hängen Sie den Pullover über Nacht an die frische Luft, am besten in feuchter Morgenluft, bei Nebel oder leichtem Regen. Die Luftfeuchtigkeit dringt in die Fasern ein und löst Geruchspartikel, die dann verdunsten. Reine Zimmerluft reicht dafür nicht aus, sie ist zu trocken.
Auch der Dampf einer heißen Dusche hilft. Hängen Sie den Pullover im Badezimmer auf, während Sie duschen. Der Wasserdampf durchdringt die Wolle und neutralisiert Gerüche von Essen oder Rauch. Lassen Sie den Pullover danach vollständig trocknen, bevor Sie ihn wieder in den Schrank legen. Bei leichten Gerüchen ersetzt diese Methode das Waschen.
Richtiges Heizen und Trocknen
Am wichtigsten ist, dass die Wolle nach dem Waschen oder Lüften vollständig trocknet. Wolle trocknet am besten bei Raumtemperatur an der Luft, nicht auf der Heizung. Direkte Hitze schädigt die Fasern. Die Wolle wird spröde, verfilzt oder läuft ein. Legen Sie den nassen Pullover flach auf ein Handtuch, rollen Sie beides ein und drücken Sie das Wasser heraus. Danach formen Sie den Pullover in seine ursprüngliche Größe und lassen ihn auf einem Wäschetrockner oder einem trockenen Handtuch liegen.
Heizen Sie den Raum, in dem die Wolle trocknet, aber vermeiden Sie direkten Kontakt mit der Wärmequelle. Ein gut gelüfteter Raum mit normaler Zimmertemperatur reicht aus. Wichtig ist der Luftaustausch: Öffnen Sie das Fenster mehrmals am Tag, damit die feuchte Luft entweichen kann. In einem geschlossenen, warmen Raum kondensiert die Feuchtigkeit wieder auf der Wolle, und der muffige Geruch kehrt zurück.
Wer im Winter keine Möglichkeit hat, draußen zu lüften, bringt den Pullover in einen Raum mit niedriger Luftfeuchtigkeit, zum Beispiel das Schlafzimmer bei gekipptem Fenster. Ein Luftentfeuchter oder ein Trockner mit Wollprogramm sind Alternativen, aber nicht jeder Haushalt hat sie. Die einfache Regel lautet: Wolle trocknet langsam, aber sie trocknet zuverlässig, wenn sie flach liegt und Luft um sie herum zirkuliert.
Nur waschen, wenn nötig
Zu häufiges Waschen entzieht der Wolle ihre natürliche Schutzschicht aus Lanolin. Lanolin ist ein fetthaltiger Stoff, der die Fasern geschmeidig hält und Schmutz abweist. Prüfen Sie vor jedem Waschgang, ob der Pullover wirklich schmutzig ist oder nur unangenehm riecht. Flecken lassen sich oft lokal behandeln, ohne den ganzen Pullover zu waschen.
Wenn Sie waschen müssen, beachten Sie diese Regeln:
- Waschen Sie Wolle bei 30 Grad Celsius im Wollprogramm oder per Hand.
- Verwenden Sie ein Wollwaschmittel mit Lanolin, kein normales Vollwaschmittel. Normale Waschmittel enthalten Enzyme, die tierische Fasern angreifen und zerstören.
- Achten Sie darauf, dass Wasch- und Spülwasser die gleiche Temperatur haben. Große Temperaturunterschiede lassen die Wolle verfilzen.
- Reiben Sie die Fasern nicht. Drücken Sie den Pullover vorsichtig zusammen und bewegen Sie ihn sanft im Wasser.
Nach dem Waschen gilt dasselbe wie beim Lüften: vollständig trocknen lassen, flach liegend, bei Raumtemperatur, mit guter Luftzirkulation. Nehmen Sie den Pullover sofort aus der Waschmaschine, sobald das Programm endet. Feuchte Wäsche, die in der Trommel liegen bleibt, entwickelt innerhalb weniger Stunden muffigen Geruch.
Wenn der Pullover schon muffig riecht
Ein muffiger Pullover muss nicht sofort gewaschen werden. Hängen Sie ihn zuerst für eine Nacht an die frische Luft, idealerweise bei feuchter Witterung. Reicht das nicht aus, hilft der Dampf einer heißen Dusche. Hängen Sie den Pullover im Badezimmer auf und schließen Sie die Tür, damit sich der Dampf sammeln kann. Lassen Sie ihn danach vollständig trocknen.
Wenn der Geruch nach diesen Maßnahmen bleibt, ist Waschen nötig. Verwenden Sie die oben genannten Regeln und geben Sie dem Pullover nach dem Waschen ausreichend Zeit zum Trocknen. Ein Trockner ist nur geeignet, wenn er ein spezielles Wollprogramm hat und das Pflegeetikett des Pullovers es ausdrücklich erlaubt. Im Zweifel trocknet Wolle sicherer an der Luft.
Auch die Waschmaschine selbst kann die Ursache für muffige Wäsche sein. Lassen Sie regelmäßig einen leeren Kochwaschgang mit einem Hygiene-Reiniger oder etwas Zitronensäure laufen, um Bakterien und Rückstände in der Maschine zu entfernen. Eine saubere Maschine verhindert, dass frische Wäsche bereits muffig aus der Trommel kommt.