Ob fünf Minuten reichen oder zwanzig nötig sind, hängt vor allem von der Jahreszeit ab. Der Grund liegt in der Physik der Luft: Warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf als kalte. Je größer der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen ist, desto schneller tauscht sich die Luft beim Stoßlüften, also wenn Sie die Fenster weit öffnen und kurz durchlüften.

Im Winter reichen deshalb meist fünf Minuten, im Sommer eher zwanzig.

Warum der Temperaturunterschied zählt

Beim Lüften tauschen Sie feuchte Raumluft gegen trockenere Außenluft aus. Beim Kochen, Duschen, Wäschetrocknen und Atmen gibt jeder Haushalt täglich mehrere Liter Wasser an die Raumluft ab. Bleibt diese Feuchtigkeit im Raum, kondensiert sie an kalten Fensterscheiben und Außenwänden, und genau dort entsteht Schimmel.

Wie schnell die Luft wechselt, hängt vom Temperaturunterschied ab. Im Winter ist der Unterschied zwischen 20 Grad Raumtemperatur und Minusgraden draußen groß. Die warme Luft strömt nach oben ab und zieht kalte, trockene Luft nach. Im Sommer liegen die Temperaturen oft nur wenige Grad auseinander. Dann bewegt sich die Luft kaum von selbst.

Im Winter reichen 5 Minuten

Bei kalten Außentemperaturen genügt ein kurzes, kräftiges Stoßlüften. Öffnen Sie gegenüberliegende Fenster oder die Fenster plus Tür für einen Durchzug. Dann ist die Luft nach fünf Minuten ausgetauscht. Die kalte Außenluft enthält wenig Feuchtigkeit und kann die Feuchtigkeit aus dem Raum gut aufnehmen.

Drei bis vier Mal am Tag für fünf bis zehn Minuten ist im Winter ein guter Rhythmus. Wichtig ist, die Fenster danach wieder zu schließen. Ein dauerhaft gekipptes Fenster tauscht die Luft nur langsam aus, kühlt aber die Wand rund um das Fenster aus. Genau dort kondensiert dann Feuchtigkeit, und Schimmel entsteht.

Im Sommer reichen 20 Minuten

Im Sommer ist der Temperaturunterschied klein, die Luft strömt langsamer. Deshalb brauchen Sie deutlich mehr Zeit, meist fünfzehn bis zwanzig Minuten bei geöffneten Fenstern und idealerweise Durchzug.

Dazu kommt: Draußen ist es im Sommer oft feuchter als drinnen, etwa nach einem Regenschauer oder an schwülen Tagen. Dann wird die Raumluft feuchter statt trockener. Lüften Sie an solchen Tagen am frühen Morgen oder späten Abend, wenn die Außenluft kühler und trockener ist. Bei großer Hitze halten Sie die Fenster tagsüber geschlossen und die Rollläden oder Vorhänge zu.

In der Übergangszeit reichen 10 bis 15 Minuten

Im Frühling und Herbst liegen die Außentemperaturen zwischen den Extremen. Mit ihnen ändert sich auch die nötige Lüftungsdauer. Zehn bis fünfzehn Minuten sind hier ein guter Richtwert. An kühlen Herbsttagen mit viel Heizbedarf reichen eher zehn Minuten, an milden Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit eher fünfzehn.

Orientieren Sie sich an der Luftfeuchtigkeit im Raum. Ein einfaches Hygrometer zeigt Ihnen, ob die Luft im Wohnzimmer oder Schlafzimmer zu feucht ist. Liegt die relative Luftfeuchtigkeit dauerhaft zu hoch, lüften Sie länger oder häufiger. Liegt sie sehr niedrig, ist die Luft sehr trocken, und kürzeres Lüften genügt.

So klappt das Stoßlüften

Stoßlüften heißt: Fenster weit öffnen, nicht kippen. Weit geöffnete Fenster tauschen die Luft in wenigen Minuten. Ein gekipptes Fenster braucht dafür Stunden und kühlt dabei die Bausubstanz aus.

Für einen schnellen Luftaustausch öffnen Sie gegenüberliegende Fenster oder eine Tür, sodass ein Durchzug entsteht. Das funktioniert im Winter wie im Sommer und verkürzt die nötige Zeit spürbar. Nach dem Duschen oder Kochen lüften Sie das Zimmer sofort, damit die Feuchtigkeit gar nicht erst in Wände und Möbel zieht.

Kurzes, intensives Lüften kostet weniger Heizenergie als ein dauerhaft gekipptes Fenster. Die Wände kühlen beim Stoßlüften kaum aus, weil die frische Luft nur kurz durch den Raum zieht. Wer im Winter fünf Minuten lüftet statt das Fenster stundenlang zu kippen, spart Heizkosten und beugt Schimmel vor.