Schimmel entsteht dort, wo Feuchtigkeit längere Zeit an kalten Flächen bleibt. Ein Hygrometer misst die relative Luftfeuchtigkeit der Raumluft. Dieser Wert gibt an, wie viel Wasserdampf die Luft enthält, verglichen mit der Menge, die sie bei ihrer Temperatur maximal aufnehmen kann. Kalte Luft nimmt weniger Feuchtigkeit auf als warme. Sinkt die Temperatur, steigt die relative Luftfeuchtigkeit. Dann setzt sich Wasser an Außenwänden, Fenstern und in Raumecken ab.

Ein Hygrometer zeigt, wann die Luft zu feucht wird. Dann lüften Sie. Die Grundregel lautet: Feuchtigkeit messen, mehrmals täglich mit weit geöffneten Fenstern lüften und die Heizung nicht zu kalt einstellen. So bleibt Schimmel ohne Grundlage.

Hygrometer richtig einsetzen

Der Messpunkt bestimmt, ob der Wert brauchbar ist. Stellen Sie das Gerät nicht direkt ans Fenster, nicht neben die Heizung und nicht in der Küche über dem Herd. Dort zeigt es kurzfristige Abweichungen, nicht das normale Raumklima. Geeignet ist eine Innenwand auf etwa Kopfhöhe, einige Zentimeter von der Wand entfernt. Das Hygrometer sollte frei in der Raumluft stehen, nicht hinter einem Schrank oder Vorhang.

Digitale Hygrometer zeigen die Luftfeuchtigkeit meist zusammen mit der Temperatur. Sie reagieren schneller als mechanische Geräte mit Zeiger. Günstige Modelle weichen gelegentlich um einige Prozentpunkte ab. Der einzelne Wert ist deshalb weniger wichtig als der Verlauf. Messen Sie mehrmals täglich zur gleichen Zeit, zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen. So erkennen Sie, wann die Feuchtigkeit ansteigt, etwa nach dem Kochen, dem Duschen oder in der Nacht.

Stellen Sie das Hygrometer in die Räume, in denen Feuchtigkeit entsteht oder Schimmel zuerst auftritt. Dazu gehören Schlafzimmer, Bad, Küche und Räume mit vielen Außenwänden. Ein Gerät reicht nicht, wenn die Wohnung unterschiedlich beheizt wird. In kühlen Räumen steigt die relative Luftfeuchtigkeit schneller, auch wenn dort keine Feuchtigkeit erzeugt wird.

Orientierungswerte für die Raumluft

Für Wohnräume sind 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit ein guter Richtwert. In diesem Bereich ist die Luft weder zu trocken noch zu feucht. Schimmelpilze finden dann wenig Angriffsfläche. Im Winter sind niedrige Werte normal, weil die kalte Außenluft nur wenig Feuchtigkeit enthält. Liegt die Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 60 Prozent, sollten Sie mehr lüften. Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit ist die Luft so feucht, dass Wasser an kalten Flächen ausfällt und Schimmel schnell wachsen kann.

Die Temperatur gehört zur Bewertung dazu. Bei höheren Temperaturen nimmt die Luft mehr Feuchtigkeit auf als bei niedrigeren. Wenn Sie einen Raum wenig heizen, steigt die relative Luftfeuchtigkeit, obwohl die Feuchtigkeitsmenge gleich bleibt. Darum sollten auch selten genutzte Räume nicht völlig auskühlen. Wer Heizkosten sparen will, kann die Temperatur absenken, aber nicht zu niedrig einstellen. Eine zu starke Temperaturabsenkung erhöht das Schimmelrisiko deutlich.

Dauerhaft sehr trockene Werte sind im Winter kein Grund zur Sorge. Trockene Haut und gereizte Schleimhäute können auftreten. Ein Luftbefeuchter ist aber selten nötig. Wichtiger ist, dass die Werte nicht dauerhaft nach oben klettern.

Lüften und Heizen richtig steuern

Stoßlüften ist die wirksamste Methode, um Feuchtigkeit aus der Wohnung zu holen. Öffnen Sie das Fenster weit, am besten mehrere Fenster, und lassen Sie die Luft fünf bis zehn Minuten durchziehen. Im Winter reichen wenige Minuten, im Sommer dauert es länger. Dauerhaft gekippte Fenster helfen wenig. Sie tauschen die Luft kaum aus, kühlen die Wände aus und erhöhen so das Kondensrisiko.

Das Schlafzimmer lüften Sie vor dem Schlafengehen und morgens nach dem Aufstehen. Die Tür zu kühleren Schlafzimmern bleibt geschlossen, vor allem während der Nacht. Warme Luft aus dem Wohnzimmer enthält viel Feuchtigkeit. Sie zieht in den kühlen Raum und kondensiert dort an Wänden und Fenstern. Auch nach dem Duschen, Baden und Kochen gilt: Fenster auf, Tür zu, damit die Feuchtigkeit nicht in die Wohnung zieht.

In gut gedämmten Wohnungen mit dicht schließenden Fenstern ist das Lüften nicht weniger wichtig. Die Dämmung hält die Wände warm. Sie verhindert aber, dass Feuchtigkeit nach außen entweicht. Feuchtequellen sind zum Beispiel viele Pflanzen, ein Aquarium oder Wäsche, die in der Wohnung trocknet. Sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit. In solchen Räumen lohnt es sich, öfter zu lüften und das Hygrometer im Blick zu behalten.

Schimmelrisiko genauer prüfen

Das Hygrometer zeigt Ihnen nicht, ob sich bereits Schimmel bildet. Prüfen Sie deshalb regelmäßig die kritischen Stellen: Außenwände, Raumecken, Fensterlaibungen, Bereiche hinter und unter dem Bett sowie hinter massiven Möbeln. Möbel sollten einige Zentimeter von der Wand abrücken, damit die Luft zirkulieren kann. Dunkle Flecken, muffiger Geruch oder Kondenswasser am Fensterrahmen sind Warnzeichen.

Bleibt die Luftfeuchtigkeit trotz regelmäßigem Lüften dauerhaft hoch, liegt die Ursache nicht am Lüften. Dann kommt die Feuchtigkeit aus dem Bauwerk, aus einer undichten Stelle oder aus einem Rohrbruch. In diesem Fall hilft mehr Lüften nicht. Sie sollten die Ursache fachlich klären lassen. Auch sichtbarer Schimmel verschwindet nicht durch Überstreichen. Erst wenn die Feuchtequelle beseitigt ist, hat der Schimmel keine Grundlage mehr.